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StMBW: Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle zum Umgang mit Hitlers Hetzschrift „Mein Kampf“ in Wissenschaft, Schule und politischer Bildungsarbeit

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Bayerns Bildungs- und Wissenschaftsminister Dr. Ludwig Spaenle nahm heute zum Umgang mit Hitlers Hetzschrift „Mein Kampf“ in Wissenschaft, Schule und politischer Bildungsarbeit Stellung.

„Bayern ist dem ,Nie Wieder‘ des menschenverachtenden Unrechtsregime der Nationssozialismus verpflichtet. Wir verfolgen in diesem Zusammenhang eine Strategie mit zwei sich ergänzenden Zielen: Wir stellen uns erstens allen Bestrebungen, die NS-Ideologie auch nur in Ansätzen zu verbreiten, mit aller Energie entgegen. Das Urheberrecht und das Strafrecht spielten dabei eine zentrale Rolle. Zweitens leisten wir durch eine umfassende und nachhaltige politische Bildungsarbeit inner- und außerhalb der Schulen präventive Aufklärung. Dabei informieren wir über die menschenverachtende Ideologie, die mit der Hetzschrift ,Mein Kampf‘ zu Grunde gelegt wurde, und deren Folgen. Wir wollen so Menschen gegen den Extremismus immunisieren und von den besonderen Chancen von Rechtsstaat und Demokratie überzeugen.“

Mit dem Auslaufen des Urheberrechts auf Hitlers Machwerk „Mein Kampf“, das frühzeitig und unübersehbar Hitlers Ideologie des Antisemitismus und „Lebensraums“ zusammengefasst hat, hätte sich eine stark veränderte Situation ergeben. Auf diese hätten Einrichtungen der Wissenschaft und Bildung unterschiedlich, aber im engen Dialog miteinander reagiert:

  1. Das Institut für Zeitgeschichte in München hat zu Zwecken von Forschung und Wissenschaft im Januar 2016 eine historisch-kritische Ausgabe von „Mein Kampf“ herausgegeben. Mit ihrer Kommentierung distanzieren sich die Herausgeber unmissverständlich von den Ideen Hitlers und widerlegen sie. Von der zweibändigen Publikation wurden mittlerweile rund 85.000 Exemplare verkauft.
  2. Es ist selbstverständlich, dass Texte aus „Mein Kampf“ in der pädagogischen Freiheit der hoch qualifizierten Lehrkräfte gerade in den Fächern Geschichte und Sozialkunde als historische Quelle genutzt werden können. Das Spektrum der Quellen zum Nationalsozialismus reicht von ideologischen Schriften wie Hitlers „Mein Kampf“ und Rosenbergs „Mythus des 20. Jahrhunderts“ über Reden, Tagebücher, Memoiren von NS-Schergen bis hin zu Ton- und Bilddokumenten, Akten und Zeitschriften. Viele Quellen liegen in historisch-kritischen Editionen entweder komplett oder in Auszügen vor. Die historisch-kritische Ausgabe von „Mein Kampf“ kann als Quelle in Schule und Unterricht herangezogen werden. Dagegen haben unveränderte Nachdrucke der Schandschrift „Mein Kampf“ an Bayerns Schulen keinen Platz.
  3. Zum Umgang mit der historisch-kritischen Ausgabe der Hetzschrift „Mein Kampf“ in Schule und historisch-politischer Bildungsarbeit hat das Bayerische Bildungs- und Wissenschaftsministerium zusammen mit der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit mehrere Maßnahmen ergriffen:
  • Am 09.03.2016 hat das Bayerische Bildungs- und Wissenschaftsministerium alle Schulen darüber informiert, wie im Unterricht auch Textstellen von „Mein Kampf“ genutzt werden können und welche Begleitmaterialien hierfür vorhanden sind.
  • Am 14.04.2016 haben die Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit und die Akademie für Lehrerfortbildung und Personalführung eine Fortbildung für Multiplikatoren aus allen weiterführenden Schulen durchgeführt. Dabei behandelten Experten wie Dr. Thomas Vordermayer und Prof. Dr. Ulrich Baumgärtner wissenschaftliche, didaktische und pädagogische Fragen, die sich durch die Veröffentlichung der historisch-kritischen Ausgabe von “Mein Kampf“ im Unterricht ergeben können.
  • Im Januar 2017 veröffentlichte die Bayerische Landeszentrale in der Reihe „Einsichten + Perspektiven“ ein Themenheft des Geschichtsdidaktikers und Seminarlehrers Prof. Dr. Ulrich Baumgärtner „,Mein Kampf‘ in der historisch-politischen Bildung“. Auf der Homepage der Bayerischen Landeszentrale war die Arbeitshilfe bereits im Dezember 2016 zum Download bereit. In die Inhalte sind auch Ergebnisse der Fortbildung der Multiplikatoren im April 2016 eingeflossen. Entsprechend liefert das Themenheft Informationen zur Quelle „Mein Kampf“, zur historisch-kritischen Edition des Instituts für Zeitgeschichte, Beispiele für didaktische Zugänge, Anregungen für den Unterricht bis hin zu Stundenbildern.
  • Die Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit hat schließlich eine auf drei Bände konzipierte Publikation zur Geschichte des Nationalsozialismus in Auftrag gegeben, in die auch „Mein Kampf“ entsprechend eingeordnet wird. Als Koordinator und Mitautor fungiert der Berliner Historiker Prof. Dr. Thomas Sandkühler.
  • Die Materialien werden über die Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit auch für die außerschulische Bildungsarbeit zur Verfügung gestellt.

Bayerns Bildungs- und Wissenschaftsminister Dr. Ludwig Spaenle betonte abschließend:

„Der Umgang mit Hitlers Hetzschrift ‚Mein Kampf‘ in der Schule und der politischen Bildungsarbeit stellt eine große Herausforderung dar. Dabei begleiten wir die Lehrkräfte intensiv.“

StMBW, Pressemitteilung v. 02.02.2017